Wenn die Wüste zu singen beginnt

Wer schon mal in der Sahara war, hat vielleicht die Gesänge der Wüste vernommen. Für diese Klänge ist im ersten Augenblick kein Verursacher erkennbar. Sie werden durch rutschende Sandkörner erzeugt, die die Luft zum Schwingen bringen und so zur Entstehung von Geräuschen führen sollen. Spannend wird es allerdings dann, wenn durch diese Schwingungen nicht nur einer, sondern mehrere Töne entstehen, deren polyphonische Geräuschkulissen an natürliche Orchester erinnern.

Wie Spiegel Online berichtet, haben der Physiker Simon Dagois-Bohy und seine Kollegen von der Paris Diderot University in Frankreich das Naturphänomen erforscht und im Oman und in Marokko — in der südmarokkanischen Hafenstadt Tarfaya — jeweils eine Düne untersucht. Die Sandproben beider Dünen wurde im Labor miteinander verglichen.

landkarte marokko tarfaya

Dabei wurde herausgefunden, dass die erzeugten Töne auf um so ähnlicheren Frequenzen liegen, je einheitlicher die Korngrößen des Sandes ausfallen. Unterscheiden sich diese stark voneinander, so rutschen die Sandpartikel unterschiedlich schnell und bringen die Luft andersartig in Schwingung.

Ein Video dokumentiert den Gleichklang der marokkanischen Düne, der bei stetigen 105 Hertz liegen soll, während in den Klängen der omanischen Düne neun verschiedene Töne identifizierbar sind. Dieses Phänomen wurde im folgenden Video dokumentiert.

 (Abbildung: CIA World Factbook)

Der 4.500 Einwohner zählende Ort Tarfaya liegt an der südmarokkanischen Atlantikküste und grenzt unmittelbar an die Westsahara. Während der Kolonialzeit stand die Kleinstadt unter französischem Protektorat und war Verwaltungssitz. Während des Grünen Marsches, einem staatlich organisierten, zivilen Einmarsch ins Gebiet der Westsahara 1975, lebten 350.000 Teilnehmer des Umsiedlungskommandos in einem Zeltlager in der Nähe des Ortes. Hier gibt es auch ein Denkmal für den Piloten und Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry.

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