Category Archives: Hintergrund

Gentrifizierung in der Medina von Marrakesch

Die beiden Mainzer Geographen Dr. Sandra Petermann und Prof. Anton Escher haben sich für einen wissenschaftlichen Artikel mit Gentrifizierungsprozessen in Marrakesch auseinandergesetzt und kommen in ihrer Publikation Gentrification in den Altstädten des Königreichs Marokko zu einem erstaunlichen Ergebnis.

Unter Gentrifizierung versteht man einen baulichen und sozioökonomischen Aufwertungsprozess einzelner Stadtviertel, der mit einer sukzessiven Verdrängung der alteingesessenen und zumeist statusniedrigeren Bewohner eines Quartiers zugunsten einer statushöheren Bevölkerungsschicht einhergeht. Dieser Prozess lässt sich weltweit in vielen Städten beobachten, unter anderem auch in Marrakesch, wo sich in den 1990iger Jahren ein tiefgreifender Erneuerungsprozess der altstädtischen Bausubstanz Bahn brach, der aber bereits ein halbes Jahrhundert zuvor seinen Anfang genommen hat.

Die Menara-Gärten in Marrakesch

Menara-Gärten in Marrakesch

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Über den Ramadan in Marokko

Am 9. Juli begann der diesjährige Ramadan, der traditionelle und religiös bestimmte Fastenmonat im islamischen Kalender. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang verzichten die praktizierenden Gläubigen auf Essen und Trinken, davon ausgenommen sind Schwangere, Kranke und Kinder.

Während dieser Zeit folgt das Leben in Marokko einem anderen, einem ruhigeren Takt. Die sonst so regen Händler sitzen ermattet in ihren Läden und sehnen sich nach dem Untergang der Sonne, die das Fastenbrechen einläutet. Ich bin gerne während des Ramadan in Marokko und verzichte dort ebenfalls darauf, tagsüber zu essen oder zu trinken — zumindest in der Öffentlichkeit. Gleichsam genieße ich Ruhe, die als Ergebnis einer allgemeinen Mattheit vorherrscht und das sonst turbulente Marktleben auf angenehme Art entschleunigt, obwohl viele Fastende nicht entspannt sind, sondern abgespannt und müde. Ein positiver Effekt des Fastenmonats ist, dass man weit weniger Touristen antrifft.

Ramadan Marokko Katzen

(Foto: Trekking in Marokko)

Für Reisende bedeutet der Ramadan ein paar Einschränkungen, da viele Restaurants und Cafés tagsüber geschlossen bleiben. Es wird nachts gegessen und gefeiert — viele versuchen, am nächsten Tag möglichst lange zu schlafen. Brot ist häufig nur abends erhältlich und viele Banken sind nur vormittags geöffnet. Es fahren manchmal weniger Busse und zum Ende des Fastenmonats, das in familiärem Kreis mit einem dreitägigen Fest gefeiert wird, sind sehr viele Marokkaner zu ihren Verwandten unterwegs.

Der Ramadan hat aber auch eine politische und populistische Dimension, um die es in einem hörenswerten und aktuellen Feature von Alexander Göbel (ARD-Hörfunkstudio Rabat) geht. Er berichtet vom Verschwinden ramadanfreier Zonen, vom Distinktionspotenzial des Fastenbrechens und verweist auf die zunehmende Kontrolle des öffentlichen Raums in Marokko, mit der politischer und sozialer Druck auf Fastenbrecher ausgeübt wird. Fasten als Herrschaftsinstrument, das die Illusion einer gemeinsamen Identität aufrecht erhält. Nicht politisch, aber dafür umso persönlicher, beschreibt Carissa D. Lamkahouan in einem aktuellen Text für die Islamische Zeitung die Tradition des Ramadan und fokussiert dabei vor allem auf das gemeinsame Fastenbrechen im Kreis der Familie.

Was habt ihr für Erfahrungen mit dem Ramadan in Marokko gemacht?

Ramadan-Termine:

Ramadan 2013: 09.07  — 07.08.
1. Tag des Ramadanfests: 08. Aug. 2013
2. Tag des Ramadanfests: 09. Aug. 2013
3. Tag des Ramadanfests: 10. Aug. 2013

Ramadan 2014: 28.06. — 27.07.
1. Tag des Ramadanfests: 28. Juli 2014
2. Tag des Ramadanfests: 29. Juli. 2014
3. Tag des Ramadanfests: 30. Juli. 2014

Ramadan 2015: 18.06. — 16.07.2015
Ramadan 2016: 06.06. — 05.07.2016
Ramadan 2017: 27.05. — 24.06.2017

Reality Check: Auswärtiges Amt entschärft Sicherheitshinweise für Marokko

Das Auswärtige Amt hat seine Sicherheitshinweise für Marokko verändert und der Realität ein Stückchen näher gebracht.

Die Veränderung der Sicherheitshinweise und Reisewarnungen für Marokko erfolgte bereits im Februar dieses Jahres, eine zweite Anpassung wurde am 28. März 2013 vollzogen. Diesem längst überfälligen Schritt ging die Initiative mehrerer Privatpersonen voraus, die einen längeren Briefwechsel mit der deutschen Botschaft in Rabat führten, um der Stigmatisierung Marokkos als brandgefährlicher Unruhestaat, in dem man wahlweise von Rauschgifthändlern mit Steinen beworfen, von Demonstranten niedergestochen oder von Terroristen in die Luft gejagt wird, zu beenden. Inwiefern waren sie mit diesem Vorhaben erfolgreich?

auswärtiges amt logoDie inhaltlichen Änderungen an dem Vorgängertext, der mehrere Monate auf der Seite des Auswärtigen Amts als länderspezifische Handreichung für Marokko-Reisende zur Verfügung gestellt wurde, sind behutsame Eingriffe, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Sie betreffen im wesentlichen die Sicherheitslage im Rif-Gebirge und die Freitagsgebete: Wurden Reisende früher davor gewarnt, dass sie im Rif-Gebirge von Rauschgifthändlern bedrängt werden könnten und “insbesondere die Strecken zwischen Chefchaouen über Ketama nach Al-Hoceima sowie die Straße von Ketama nach Fes […] problematisch” sein könnten, so begnügt man sich jetzt mit dem Hinweis, dass dort Hanf angebaut wird und es in “Einzelfällen” zu “Belästigungen von Reisenden durch Rauschgifthändler” kommen könne. In der Realität bedeutet das zumeist, dass man für einen Konsumenten gehalten wird und Leute mit einem zischenden “Haschisch?” den potenziellen Kunden ihr Cannabis-Produkt offerieren.

Gestrichen wurde weiterhin der Hinweis, nach den Freitagsgebeten öffentliche Plätze zu meiden. Mit dieser Veränderung wurde ein schlechter Scherz aus den Reisehinweisen entfernt, denn wer schon mal eine Medina, einen Souk oder ganz klassisch, den Djemaa el Fna in Marrakesch besichtigt hat, weiß, dass sich dort viele Menschen aufhalten. Die Sicherheitsratschläge enthalten trotz dieser Entschlackung noch immer eine Menge Panikpotenzial und taugen nach wie vor dazu, interessierten Reisenden das Fürchten zu lehren. Völlig ohne Wirkung wird die textliche Anpassung aber nicht bleiben und insbesondere die Hinweise zum Rif-Gebirge lassen diese sehenswerte Region in etwas weniger dunklem Licht erscheinen. Diese Reisehinweise sind hier zu finden. Bei Problemen mit Reiseveranstaltern oder Fluggesellschaften kann es sinnvoll sein, einen auf Reiserecht spezialisierten Anwalt zu konsultieren, zum Beispiel www.kanzlei-narewski.de.

Einer der wichtigsten deutschsprachigen Reisebuchautorinnen für Marokko, Erika Därr, schrieb vor einigen Monaten einen offenen Brief an die deutsche Botschaft in Rabat, in dem sie die Reisehinweise des Auswärtigen Amts kritisierte, der hier gelesen werden kann:

Ouarzazate und das cineastische Marokko

Wer aus Richtung Marrakesch den Südosten Marokkos erkunden will, passiert fast unweigerlich die frühere Garnisonsstadt Ouarzazate, das Tor zur Straße der Kasbah und ein wichtiges Zentrum — nicht nur für die Hauptstadt, sondern auch für die globale Filmindustrie.

Ouarzazate liegt auf über 1000 Metern über dem Meeresspiegel zwischen dem Anti-Atlas und dem Hohen Atlas. Von hier aus führt die sogenannte Straße der Kasbahs in nordöstliche Richtung bis nach Errachidia. Weiter nach Südosten folgt man dem Lauf des Drâa bis nach Zagora und weiter gen Sahara in das von der Desertifikation bedrohte M’Hamid. Read more

Wenn die Wüste zu singen beginnt

Wer schon mal in der Sahara war, hat vielleicht die Gesänge der Wüste vernommen. Für diese Klänge ist im ersten Augenblick kein Verursacher erkennbar. Sie werden durch rutschende Sandkörner erzeugt, die die Luft zum Schwingen bringen und so zur Entstehung von Geräuschen führen sollen. Spannend wird es allerdings dann, wenn durch diese Schwingungen nicht nur einer, sondern mehrere Töne entstehen, deren polyphonische Geräuschkulissen an natürliche Orchester erinnern. Read more

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