Fundamentalistischer Oppositionsführer Scheich Abdessalam Yassine verstorben

Scheich Abdessalam Yassine, der Gründer der radikalreligiösen Oppositionsbewegung „Gerechtigkeit und Spiritualität“, ist in der vergangenen Woche im Alter von 84 Jahren in seiner Wohnung in Rabat  verstorben.

Der 1928 in Marrakesch geborene Islamistenführer war Beamter im marokkanischen Bildungsministerium, bis er Mitte der Sechziger Jahre seinen Beruf abbrach, um sich seinen Islam-Studien zuwenden zu können. 1973 gründete er die Bewegung  „Al Adl wal Ihsan“. Im darauffolgenden Jahr schrieb er einen Protestbrief an König Hassan II., woraufhin er für drei Jahre inhaftiert wurde.

yassine abdessalam(Foto: Taoufiq)

Die Gründung der Zeitschrift „Al Jamaa” Anfang der Achtziger Jahre war der Anlass eines zweiten Gefängnisaufenthalts. Hassan II. unterwarf Yassine schließlich mit einem permanenten Hausarrest, das Mohammed VI. 2000 aufhob.

Das empfehlenswerte Blog AfrikaEcho wertet “Al Adl” als „die mit Abstand ein­flussreichste religiöse Vereinigung in Marokko“, die zwar offiziell verboten ist, aber von den marokkanischen Behörden toleriert wird. Die Hochburgen dieser Organisation liegen in den Armenvierteln der Großstädte und an den Universitäten. Sie stellte bei den Demonstrationen im Rahmen des arabischen Frühlings mit ihren Anhängern eine deutliche Mehrheit unter den Aktivisten der „Bewegung 20. Februar“, aus der sie sich inzwischen zurückgezogen hat.

Scheich Abdessalam Yassine und die von ihm gegründete Bewegung „Gerechtigkeit und Spiritualität“ gehören zum fundamentalistischen Spektrum, haben aber wenig mit Salafisten oder Wahabiten gemein. Yassines Lehre fußt auf dem — beispielsweise von Salafisten abgelehnten — Sufismus und hat deswegen einen anderen Bezug zu Mystik und Spiritualität. Von der Popularität des Scheichs und der Mobilisierbarkeit seiner Anhänger konnte man sich in den Fernsehnachrichten überzeugen, in denen deutlich zu sehen war, wie viele Menschen dem Verstorbenen seine letzte Ehre erwiesen haben.

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