Tag Archives: 20. Februar

Großdemonstration in Rabat

Am Ostersonntag folgten mehr als 5000 Marokkaner einem Aufruf zweier Gewerkschaften und gingen bei der größten Demonstration seit langem gemeinsam auf die Straße, um gegen die sozioökonomischen Zustände im Königreich zu protestieren.

Dem Aufruf schlossen sich mehrere Oppositionsparteien und die soziale Bewegung 20. Februar an. Auf Plakaten wurde Premierminister Abdelilah Benkirane (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung) zum Rücktritt aufgefordert, weil er das Land in den Abgrund führe. Die Veranstalter wollen die Demonstration als Warnung an die gemäßigt-islamistische Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung — vormals die größte Oppositionspartei und seit 2011 in der Regierungsverantwortung — verstanden wissen.

An den Themen, die die Leute auf die Straße treiben, hat sich in den vergangenen beiden Jahren wenig geändert: Arbeitslosigkeit, die hohen Lebenserhaltungskosten und Korruption. Wie in vielen Ländern der arabischen Welt ist die Bevölkerung Marokkos sehr jung — das Durchschnittsalter liegt bei 26,9 Jahren (zum Vergleich Deutschland: 44,9) — und die Jugendarbeitslosigkeit ist eines der dringlichsten Probleme, die es eher heute als morgen zu lösen gilt. Viele junge Menschen zwischen 16 und 30 Jahren stehen ohne Jobs da und sind faktisch überqualifiziert. Der Staatsapparat kann kaum mehr Angestellte aufnehmen. Die Strukturen sind verkrustet, Korruption und Nepotismus sind allgegenwärtige Symptome des wirtschaftlichen Lebens. Die Menschen fordern Würde und soziale Sicherheit.

Offener Brief von Erika Därr über Reisewarnungen in Marokko

Die Reiseführerautorin Erika Därr kritisiert in einem offenen Brief an den deutschen Botschafter in Rabat die Sicherheitshinweise und Reisewarnungen des Auswärtigen Amts für Marokko und kommentiert sie mit eigenen Einschätzungen zur gegenwärtigen Situation.

klaus-erika-daerr-by-klausdaerr250

Erika Därr gehört definitiv zu den Marokko-Expertinnen im deutschsprachigen Raum. Sie besuchte das Königreich erstmals 1971, seitdem führten sie unzählige Reisen und Expeditionen in die Region. Sie ist die Autorin des wichtigsten deutschsprachigen Reiseführers für das Land, dem bei Reise Know-How erschienen Marokko-Handbuch für individuelles Entdecken (Rezension) sowie zahlreicher anderer Bücher über Nordafrika.

Die Publikation dieses Briefes erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Frau Därr. Der besseren Lesbarkeit wegen, wurden einige Zwischenüberschriften ergänzt.

(Foto: Klaus Därr, 2000)

Allgemeine Hinweise für Marokko nicht zutreffend

Dass gleich zu Beginn der Marokko-Seite die allgemeinen Sicherheitshinweise zur Sahara kommen, irritiert Pauschaltouristen, die das Land nicht kennen und sich zum ersten Mal nach Marokko begeben wollen nachhaltig und schädigt die dortige Tourismusindustrie. Diese allgemeinen Informationen halte ich für die Nachbarländer auf jeden Fall zutreffend, aber nicht für Marokko. Die Grenzen Marokkos sind sehr gut überwacht und wie der In Marokko lebende Thomas Friedrich schreibt, nahezu undurchdringlich, das betrifft insbesondere die Region der Westsahara zu Algerien und Mauretanien mit dem elektronisch gesicherten Grenzwall. Read more

Marrakesch: Demonstrationen und Proteste gegen die Regierung

Am 28. Dezember ist es in Marrakesch im Zuge einer Demonstration gegen die Erhöhung von Strom- und Gaspreisen zu Ausschreitungen zwischen Protestierenden und Polizei gekommen, dabei wurden laut Innenministerium 30 Menschen festgenommen und mehr als 60 Leute verletzt. Am 13. Januar ist mit weiteren Protesten zu rechnen.

POLIZEI LÖSTE DEMONSTRATION GEWALTSAM AUF Read more

Fundamentalistischer Oppositionsführer Scheich Abdessalam Yassine verstorben

Scheich Abdessalam Yassine, der Gründer der radikalreligiösen Oppositionsbewegung “Gerechtigkeit und Spiritualität”, ist in der vergangenen Woche im Alter von 84 Jahren in seiner Wohnung in Rabat  verstorben. Read more

Demonstrationen in Marokko

Wie die Nachrichtenagentur AFP meldet, haben am vergangenen Wochenende in mehreren Städten Demonstrationen stattgefunden, auf denen gegen die steigenden Lebenserhaltungskosten und die Korruption im nordafrikanischen Königreich protestiert wurde. Die Protestierenden forderten außerdem die Freilassung politischer Aktivisten, die bei unangemeldeten Demonstrationen in der Vergangenheit festgesetzt und zu hohen Haftstrafen verurteilt wurden.

Proteste in Casablanca, Rabat, Tanger und Marrakesch

An den Demonstrationszügen beteiligten sich weniger Menschen als im Mai 2012, als in Casablanca Zehntausende gegen soziale Ungerechtigkeit auf die Straße gingen. Dort wurden am Sonnabend etwa 1000 Demonstrierende gezählt. In der Hauptstadt Rabat (300), in Marrakesch (200) und in Tanger (ebenfalls 200) wurde demonstriert, jedoch mit relativ geringer Beteiligung. Zu den Protesten riefen Menschenrechtsgruppen und Gewerkschaften auf, die die Energie der Bewegung 20. Februar weitertragen wollen.

marokko casablanca demo(Foto: Filmstill euronews, Casablanca Mai 2012)

Hohe Jugendarbeitslosigkeit und gestrichene Subventionen

Nach den Massenprotesten des vergangenen Jahres und dem aufkommenden Arabischen Frühling in den Nachbarländern Ägypten und Tunesien  machte der König Mohammed V. der Opposition Zugeständnisse und reformierte das politische System Marokkos ein kleines Stück, in dem er das Parlament aufwertete. Seit Juni ist eine neue Verfassung in Kraft, doch Kritiker des Regimes bewerten diese Veränderung angesichts fortwährender staatlicher Repression als “angeordnete Fassadenreinigung”.

Die Demonstranten des vergangenen Wochenendes werfen der islamischen Regierung vor, ihre Wahlversprechen — die Bekämpfung der Korrpution und der Jugendarbeitslosigkeit — nicht einzuhalten. Laut Weltbank sind 30 Prozent der Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 29 Jahren arbeitslos. Zuletzt strich die Regierung Subventionen, was dazu führte, dass der Benzinpreis im Land um 20 Prozent stieg.

« Older Entries