Missbrauchsskandal: Begnadigter Vergewaltiger in Spanien festgenommen

Ein verurteilter Kinderschänder wird begnadigt und verlässt Marokko. Der König widerruft die Begnadigung und der Vergewaltiger wird wenig später in Spanien festgesetzt. Nun verhandeln die Justizministerien beider Länder, wie dieser Fall zu lösen ist.

Die Begnadigung des Spaniers Daniel Galván, der  wegen sexuellen Missbrauchs von elf Kindern zu 30 Jahren Haft verurteilt war, löste Ende vergangener Woche mehrere Demonstrationen aus. Der marokkanische König Mohammed VI. reagierte schnell auf den gefährlich deutlichen Unmut der Bevölkerung und widerrief am Sonntag die Begnadigung.

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(Filmstill euronews.com)

Galván, der sich in den letzten Jahren im nordmarokkanischen Kenitra niedergelassen hatte, verließ nach seiner Freilassung das Land und reiste über die Exklave Ceuta nach Spanien. Er wurde am Montag in Murcia von der spanischen Polizei festgenommen, die damit einen in Rabat ausgestellten, internationalen Haftbefehl vollstreckte. Wie spanische Behörden mitteilten, bestehe bei dem Pädophilen, der sich weigere, nach Marokko zurückzukehren, Fluchtgefahr. Heute reist eine marokkanische Delegation, die sich gemeinsam mit den spanischen Behörden in dem juristisch kniffligen Fall verständigen will, nach Madrid. Der Fall ist so kompliziert, weil es zum einen seit 1997 ein vereinbartes Abkommen zwischen Marokko und Spanien gibt, das die Auslieferung der eigenen Staatsangehörigen an das andere Land ausschließt, und es zum anderen in Spanien prinzipiell nicht möglich sein soll, eine Begnadigung rückgängig zu machen.

Wie es zu der Freilassung des Vergewaltigers kommen konnte, ist nach wie vor nicht völlig klar, doch es bleibt zu vermuten, dass auf marokkanischer Seite geschlampt wurde. So behauptet die spanische Regierung, dass man im Fall Galváns und 29 weiterer Häftlinge eine Verlegung in eine spanische Justizvollzugsanstalt beantragt hätte. Diese Liste sei mit der Begnadigungsliste, auf der nur 18 Namen standen, so vermischt worden, dass all diese 48 Personen in den Genuss einer Amnestie kamen. Die spanische Oppositionspartei PSOE äußerte nun Bedenken, dass neben Galván noch andere spanische Schwerverbrecher freigelassen wurden, und forderte von der Regierung Aufklärung. Die erste politische Konsequenz wurde bereits gezogen — der Vorsitzende der marokkanischen Gefängnisbehörde wurde wegen Fahrlässigkeit abgesetzt.

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