Wie fit muss man für den Djebel Toubkal sein?

Wie würdet ihr die physischen Anforderungen an die Besteigung des Djebel Toubkal bewerten? Wie anstrengend ist der Aufstieg? Wie technisch anspruchsvoll ist die Trekking-Tour auf den höchsten Berg Nordafrikas für Neulinge?

Wie diese Beispiele zeigen, werden mir immer wieder Fragen nach der notwendigen Fitness für den Djebel Toubkal gestellt. Mit einem Satz lassen sich diese allerdings nicht beantworten, denn neben der körperlichen Fitness spielen auch Alter, Erfahrung, die richtige Ausrüstung und natürlich die Reisezeit eine wichtige Rolle.

Vor der Neltner Hütte auf dem Djebel Toubkal in Marokko

Vor der (ex-)Neltner-Hütte

Fit für den Toubkal?

Die Besteigung des höchsten Bergs Nordafrikas ist kein Spaziergang, denn der Djebel Toubkal misst 4167 Meter Höhe. Die Tour beginnt fast immer im Bergort Imlil (1740m), so dass bis zum Gipfel fast 2500 Höhenmeter überwunden werden müssen. Dabei geht es stetig bergauf. Der Weg ist nie besonders steil und technisch relativ anspruchslos, so dass diese Tour auch für Menschen, die keine durchtrainierten Alpinisten sind, durchaus machbar ist. Zumindest im Sommer, denn zwischen Juni und September ist der Aufstieg normalerweise schneefrei.

Die Gehzeiten belaufen sich auf etwa 5-7 Stunden für die erste Etappe von Imlil bis zur (ex-) Neltner-Hütte und auf etwa 3-4 Stunden für den Aufstieg von der Hütte bis zum Gipfel. Anschließend geht es mehrere Stunden bergab zurück nach Imlil. Die körperliche Anstrengung der mehrstündigen Wanderung wird durch zwei Faktoren erhöht: Sonne und Höhe. Auf dem Djebel Toubkal gibt es keinen Schatten und man ist der Sonne dort relativ schutzlos ausgeliefert. Deswegen sollte man unbedingt darauf achten, an beiden Aufstiegstagen so früh wie möglich zu starten.

Sonne beim Aufstieg auf den Djebel Toubkal

Beim Aufstieg gibt es fast keinen Schatten

Zudem ist die Luft dünner, denn aufgrund der Höhe ist ihr Sauerstoffgehalt niedriger und die Lunge kann weniger Sauerstoff aufnehmen als im Flachland. Wer sich noch nie in Regionen über 2500 Höhenmetern aufgehalten hat, sollte auf Symptome der Höhenkrankheit achten, die sich zum Beispiel in Form von Kopfschmerzen, Übelkeit, Unwohlsein, Sehstörungen, Leistungsschwächen und vernunftwidrigem Verhalten äußern können.

Die richtige Ausrüstung

Weniger Ausrüstung bedeutet weniger Gewicht. Man sollte deswegen nur das Nötigste mit auf den Toubkal nehmen und unnötiges Gepäck in Imlil oderr in Marrakesch lassen. Wer im Sommer unterwegs ist, braucht als Basisausrüstung eigentlich nur Wasser, ausreichend Proviant, Sonnenschutz, einen Schlafsack für die Nacht in der Refuge, eine Stirnlampe für den Beginn des zweiten Aufstiegstags und einen Schlafsack. Außerdem natürlich gute Wanderschuhe, Regensachen und warme Kleidung für den Nachmittag und Abend in der Berghütte. Outdoortaugliche Damen- und Herrenbekleidung gibt es günstig bei zahlreichen Online-Shops. Um mich auf Wandertouren vor Wind, Kälte und Regen zu schützen und es gemütlich zu haben, bevorzuge ich gute Funktionsjacken mit herausnehmbarem Fleece-Einsatz.

Der Toubkal-Aufstieg ist technisch relativ einfach und es gibt keine Kletterpassagen. Wer im Sommer unterwegs ist, benötigt daher keine Steigeisen oder ähnliche alpine Ausrüstung. Trekking-Stöcke sind jedoch zu jeder Jahreszeit eine spürbare Erleichterung. Ein Negativ-Beispiel für unangemessene Ausrüstung und unverantwortliches Verhalten wurde vor einer Weile auf dem offiziellen Blog von Jack Wolfskin in einem Reisebericht über die Toubkal-Tour im Februar präsentiert.

Fazit: Der Djebel Toubkal ist ein anfängerfreundlicher Viertausender

Man muss weder Reinhold Messner heißen noch zahlreiche Gipfel erklommen haben, um die Wanderung auf den Djebel Toubkal zu meistern. Der Aufstieg ist zumindest im Sommer technisch nicht besonders anspruchsvoll und beläuft sich auf etwa 8-11 Stunden Gehzeit. Die Tour kann in den heißen Monaten durch die ungeschützte Sonneneinstrahlung erschwert werden, daher sollte man hier durch frühes Aufstehen und Sonnenschutz vorsorgen. Wer sich nie zuvor in den Bergen aufgehalten hat, sollte sich vorab mit den Symptomen der Höhenkrankheit beschäftigten.

Mein persönlicher Tipp

Ein Tag mehr in Imlil oder Aroumd hat noch niemandem geschadet. Das dient nicht nur der Akklimatisierung und Gewöhnung an die Höhe, sondern bietet vor allem Gelegenheit, stress- und gepäckfrei die wunderschöne Umgebung des Toubkal-Nationalparks zu erleben.Akklimatisierung in Aroumd

Mein Tipp: Einen Tag mehr einplanen und sich in Aroumd akklimatisieren

(alle Fotos: Trekking in Marokko)

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2 comments

  • Vielen Dank für diesen großartigen Blog .
    Mitte September werde ich nach Marrakesch fahren und habe auch vor den Berg zu besteigen.
    Auch den Bericht der Tour von N’kob nach Tagdilt ist sehr toll beschrieben und hat mich auch dazu motiviert diese Route zu laufen…
    Nun zu meinen Besorgnissen. Ich reise alleine und war schon seit einigen Jahren nicht mehr in Höhen über 2500 meter. Meine größte Sorge ist die Höhenkrankheit, auch wenn ich wie für mich geplant einen weiteren Tag in Imlil einplane zum aklimatisieren. Bei einem Beitrag von Bergmedizinern wurde geraten eine kleine Ampulle von Sauerstoff bei sich zu tragen um dem Körper auch bei aklimatisierten Verhältnissen, etwas gutes zu tun. In welcher Höhe sollte man sein Lager aufschlagen? Ich reise mit Zelt und frage mich ob ein Schlafsack reichen würde oder wäre dies Mitte September dennoch zu kalt in den Höhen?

    Vielen Dank für diesen Blog er ist wunderbar um meine Reise verantwortungsbewusst zu planen und organisieren. Weiter so! 🙂

  • Hallo Alex, vielen Dank für deinen Kommentar.

    Bei einem Beitrag von Bergmedizinern wurde geraten eine kleine Ampulle von Sauerstoff bei sich zu tragen um dem Körper auch bei aklimatisierten Verhältnissen, etwas gutes zu tun.

    Ich habe diese Produkte schon im Handel gesehen, aber noch nie “am Berg” in der Praxis. Mein persönlicher Standpunkt ist, dass man Warnzeichen des Körpers ernst nehmen und diese nicht austricksen sollte. Meine Partnerin ist selbst von Höhenkrankheit betroffen. Bei ihr stellt sich ein Unwohlsein ein, dass aufhört, so bald sie ihre kritische Höhe wieder unterschritten hat.

    Ich denke, wenn du auf Höhe der Berghütten am Toubkal merkst, dass du mit Höhenkrankheit Probleme hast, ist es zu spät und du solltest auf keinen Fall noch die knapp 1000 Höhenmeter zum Gipfel zurücklegen (auch nicht mit Sauerstoffampullen) sondern zusehen, dass du ein Stückchen tiefer kommst und dann auf dieser Höhe die Umgebung erkunden.

    Zur noch besseren Akklimatisierung würde ich außerdem vorschlagen, die Nacht vor dem Aufstieg in Aroumd zu verbringen. Das spart die ein paar Höhenmeter und ca. 2 Kilometer Wegstrecke, allerdings solltest du alles Notwendige dann noch in Imlil einkaufen.

    In welcher Höhe sollte man sein Lager aufschlagen?

    Ich würde bei den beiden Hütten zelten. Dort gibt es mehr oder weniger ebene Flächen und eine gewisse Infrastruktur, die du dort nutzen kannst.

    Ich reise mit Zelt und frage mich ob ein Schlafsack reichen würde oder wäre dies Mitte September dennoch zu kalt in den Höhen?

    Im Sommerschlafsack wird es frisch, aber mit einem etwas dicker bemessenen sollte das kein Problem sein. Es kann bei Wind durchaus frisch werden, aber wir sprechen hier nach wie vor von ca. 3000m bis 3200m Höhe, also noch alles im erträglichen Rahmen.

    Wenn du dir das Gewicht des Zelts sparen willst, könntest du das auch in Aroumd lassen und die Nacht in der Hütte verbringen. Das ist relativ teuer (Schlafsaal, Abendbrot und Frühstück ca. 250DH), aber du schleppst nicht so viel.

    Viel Spaß bei der Reise und ich freue mich über ein tagesaktuelles Feedback zum Toubkal!

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