Vater-Sohn-Kiste “Exit Marrakech”: Caroline Link filmt wieder in Afrika

Vor einer Woche feierte der Film Exit Marrakesch Kinostart. Das neue Machwerk von Caroline Link (Jenseits der Stille, Nirgendwo in Afrika) nutzt Marokko als Projektionsfläche für orientalische Abenteuerphantasien. Die Kritiker sind sich in ihrem Urteil zwar uneins, doch zeichnet sich schon jetzt ab, dass es für diesen Film wohl keinen Oscar geben wird.

Exit Marrakech

(Bild: Studiocanal)

Exit Marrakech ist eine in Marokko angesiedelte Coming-of-age-Story über den 17jährigen Ben (Samuel Schneider), Diabetiker und Scheidungskind, das die Sommerferien in der Obhut seines Rabenvaters Heinrich (Ulrich Tukur) in Marokko verbringen muss, der dort an einem Theaterprojekt arbeitet. Die beiden Entfremdeten überwerfen sich dann auch relativ schnell, Ben büxt zusammen mit der Prostituierten Karima aus und beginnt auf eigene Faust eine Entdeckungsreise bis zur Sahara. Sein Vater — inzwischen hochgradig um seinen Sohn besorgt — macht sich indes auf fieberhafte Suche nach Ben, dessen Diabetes zu einer ebenso erwartbaren wie dramatischen Zuspitzung führt.

Exit Marrakech wird alles andere als hochgelobt: zu einfach sei die Geschichte gestrickt, zu vorhersehbar die dramatischen Wendungen — Stichwort Diabetis. Mit seinen “innerlichen Qualen und Verklemmtheiten” sei dieser Film “so urdeutsch”, dass klar sei, warum er in Marokko spielen müsse: “Ohne exotische Landschaften, ohne die gesteigerte Dramatik der Fremde und einer Wüste, in der man dann noch zwanglos das Action-Highlight eines sich überschlagenden Autos einbauen konnte, wäre „Exit Marrakech“ wirklich unerträglich langweilig geworden”. Deutschlandradio Kultur spricht vom “ausbeuterischen Blick” auf Marokko.

Doch es gibt natürlich auch positive Stimmen zu diesem Film, die Links oscarzertifiziertes Erzählvermögen hervorheben und der Regisseurin die meisterhafte Beherrschung der emotionalen Klaviatur des Erzählkinos bescheinigen. Marokko-Fans — und insbesondere Liebhaber der Stadt Marrakesch — dürfen sich auf jeden Fall darüber freuen, dass aus Lieblingsorten nun Schauplätze geworden sind. Insofern steckt in der Kritik, dass Exit Marrakech eine “weitgehend gewöhnliche Abenteuerferien-Fantasie mit Hang zum Reisekatalog” sei, vermutlich das größte Potenzial.

Exit Marrakech: Drama, D 2013. Regie: Caroline Link. Mit Ulrich Tukur, Samuel Schneider, Hafsia Herzi, Josef Bierbichler.

Kinofinder: Hier läuft der Film

Presse und Kritiken:

  • Klischees vom Vater und Sohn (Berliner Zeitung, 22.10.2013)
  • Schwierige Beziehung. Caroline Links Film “Exit Marrakesch” (WDR Westart, 22.10.2013)
  • “Exit Marrakech” von Caroline Link: Billige Sommerferien (Spiegel Online, 23.10.2013)
  • “Exit Marrakech” (23.10.2013, Deutschlandradio Kultur)
  • iPhone trifft Lehmhütte (Die Zeit, 24.10.2013)
  • Caroline Links letzte Ausfahrt heißt Marrakesch (n-tv.de, 26.10.2013)

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