Reportage: Modernität im Hohen Atlas

Tee oder Elektrizität? Filmemacher Jérôme le Maire hat die Bewohner der kleinen Gemeinde Infri drei Jahre lang mit der Kamera begleitet. Seine Arbeit zeigt den unaufhaltsamen Vorstoß der Modernität und des technischen Fortschritts.

Ifri Morocco

(Filmstill)

Ifri liegt im Hohen Atlas. Ein abgelegenes Dorf, in dem es wenig Infrastruktur gibt: kein Krankenhaus, keine Schule, keine Polizei, kein Telefon, kein fließend Wasser und keinen Strom. In den letzten Jahrhunderten scheint sich hier wenig verändert zu haben — die etwa 300 Personen zählende Dorfgemeinschaft lebt noch immer von Viehzucht und Kleinlandwirtschaft. Es ist ein hartes und entbehrungsreiches Leben, dass sich nur schwer in die heutige Zeit übersetzen lässt.

Eines Tages kommen Vertreter marokkanischer Stromanbieter und wollen das abgelegene Dorf mit Elektrizität versorgen. Mit dem Bau einer großen Stromleitung soll sich das Leben in Ifri verändern, doch den Dorfbewohnern ist der Anschluss an das Straßennetz wichtiger als die Versorgung mit Strom, denen viele von ihnen auch gar nicht bezahlen könnten.

Zu diesem Zeitpunkt wissen sie vermutlich noch nicht, dass ihr Dorf bereits dem unbarmherzigen Gesetz von Angebot und Nachfrage ausgesetzt ist, und wie bald sie mit den zivilisatorischen Fortschrittssegnungen konfrontiert werden würden. Le Maires absolut sehenswerter Dokumentarfilm zeigt ohne zu moralisieren, mit welcher Stoßkraft die Modernität auch den ländlichen Raum Marokkos trifft und wie wuchtig sie traditionelle Lebensformen zu stören droht.

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