Reality Check: Auswärtiges Amt entschärft Sicherheitshinweise für Marokko

Das Auswärtige Amt hat seine Sicherheitshinweise für Marokko verändert und der Realität ein Stückchen näher gebracht.

Die Veränderung der Sicherheitshinweise und Reisewarnungen für Marokko erfolgte bereits im Februar dieses Jahres, eine zweite Anpassung wurde am 28. März 2013 vollzogen. Diesem längst überfälligen Schritt ging die Initiative mehrerer Privatpersonen voraus, die einen längeren Briefwechsel mit der deutschen Botschaft in Rabat führten, um der Stigmatisierung Marokkos als brandgefährlicher Unruhestaat, in dem man wahlweise von Rauschgifthändlern mit Steinen beworfen, von Demonstranten niedergestochen oder von Terroristen in die Luft gejagt wird, zu beenden. Inwiefern waren sie mit diesem Vorhaben erfolgreich?

auswärtiges amt logoDie inhaltlichen Änderungen an dem Vorgängertext, der mehrere Monate auf der Seite des Auswärtigen Amts als länderspezifische Handreichung für Marokko-Reisende zur Verfügung gestellt wurde, sind behutsame Eingriffe, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Sie betreffen im wesentlichen die Sicherheitslage im Rif-Gebirge und die Freitagsgebete: Wurden Reisende früher davor gewarnt, dass sie im Rif-Gebirge von Rauschgifthändlern bedrängt werden könnten und “insbesondere die Strecken zwischen Chefchaouen über Ketama nach Al-Hoceima sowie die Straße von Ketama nach Fes [...] problematisch” sein könnten, so begnügt man sich jetzt mit dem Hinweis, dass dort Hanf angebaut wird und es in “Einzelfällen” zu “Belästigungen von Reisenden durch Rauschgifthändler” kommen könne. In der Realität bedeutet das zumeist, dass man für einen Konsumenten gehalten wird und Leute mit einem zischenden “Haschisch?” den potenziellen Kunden ihr Cannabis-Produkt offerieren.

Gestrichen wurde weiterhin der Hinweis, nach den Freitagsgebeten öffentliche Plätze zu meiden. Mit dieser Veränderung wurde ein schlechter Scherz aus den Reisehinweisen entfernt, denn wer schon mal eine Medina, einen Souk oder ganz klassisch, den Djemma el Fna in Marrakesch besichtigt hat, weiß, dass sich dort viele Menschen aufhalten. Die Sicherheitsratschläge enthalten trotz dieser Entschlackung noch immer eine Menge Panikpotenzial und taugen nach wie vor dazu, interessierten Reisenden das Fürchten zu lehren. Völlig ohne Wirkung wird die textliche Anpassung aber nicht bleiben und insbesondere die Hinweise zum Rif-Gebirge lassen diese sehenswerte Region in etwas weniger dunklem Licht erscheinen. Die Reisehinweise sind hier zu finden.

Einer der wichtigsten deutschsprachigen Reisebuchautorinnen für Marokko, Erika Därr, schrieb vor einigen Monaten einen offenen Brief an die deutsche Botschaft in Rabat, in dem sie die Reisehinweise des Auswärtigen Amts kritisierte, der hier gelesen werden kann

Ouarzazate und das cineastische Marokko

Wer aus Richtung Marrakesch den Südosten Marokkos erkunden will, passiert fast unweigerlich die frühere Garnisonsstadt Ouarzazate, das Tor zur Straße der Kasbah und ein wichtiges Zentrum — nicht nur für die Hauptstadt, sondern auch für die globale Filmindustrie.

Ouarzazate liegt auf über 1000 Metern über dem Meeresspiegel zwischen dem Anti-Atlas und dem Hohen Atlas. Von hier aus führt die sogenannte Straße der Kasbahs in nordöstliche Richtung bis nach Errachidia. Weiter nach Südosten folgt man dem Lauf des Drâa bis nach Zagora und weiter gen Sahara in das von der Desertifikation bedrohte M’Hamid. Hier weiterlesen!

Wenn die Wüste zu singen beginnt

Wer schon mal in der Sahara war, hat vielleicht die Gesänge der Wüste vernommen. Für diese Klänge ist im ersten Augenblick kein Verursacher erkennbar. Sie werden durch rutschende Sandkörner erzeugt, die die Luft zum Schwingen bringen und so zur Entstehung von Geräuschen führen sollen. Spannend wird es allerdings dann, wenn durch diese Schwingungen nicht nur einer, sondern mehrere Töne entstehen, deren polyphonische Geräuschkulissen an natürliche Orchester erinnern.

Wie Spiegel Online berichtet, haben der Physiker Simon Dagois-Bohy und seine Kollegen von der Paris Diderot University in Frankreich das Naturphänomen erforscht und im Oman und in Marokko — in der südmarokkanischen Hafenstadt Tarfaya — jeweils eine Düne untersucht. Die Sandproben beider Dünen wurde im Labor miteinander verglichen.

landkarte marokko tarfaya

Dabei wurde herausgefunden, dass die erzeugten Töne auf um so ähnlicheren Frequenzen liegen, je einheitlicher die Korngrößen des Sandes ausfallen. Unterscheiden sich diese stark voneinander, so rutschen die Sandpartikel unterschiedlich schnell und bringen die Luft andersartig in Schwingung.

Ein Video dokumentiert den Gleichklang der marokkanischen Düne, der bei stetigen 105 Hertz liegen soll, während in den Klängen der omanischen Düne neun verschiedene Töne identifizierbar sind. Dieses Phänomen wurde im folgenden Video dokumentiert.

Video (01:26)

 (Abbildung: CIA World Factbook)

Der 4.500 Einwohner zählende Ort Tarfaya liegt an der südmarokkanischen Atlantikküste und grenzt unmittelbar an die Westsahara. Während der Kolonialzeit stand die Kleinstadt unter französischem Protektorat und war Verwaltungssitz. Während des Grünen Marsches, einem staatlich organisierten, zivilen Einmarsch ins Gebiet der Westsahara 1975, lebten 350.000 Teilnehmer des Umsiedlungskommandos in einem Zeltlager in der Nähe des Ortes. Hier gibt es auch ein Denkmal für den Piloten und Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry.

Schlafende Schönheit Sidi Ifni

In der ZEIT erschien am 18. März ein lesenswerter Artikel über die marokkanische Küstenstadt Sidi Ifni. Der Ort liegt ungefähr 160 Kilometer südlich von Agadir. Die ehemalige Garnisionsstadt mit dem Beinamen Tor zur Sahara wurde 1934 von den Spaniern erbaut und ist ein schönes Beispiel für Art Déco in Nordafrika.

Einst lebten in Sidi Ifni 15.000 spanische Soldaten mit ihren Familien, die nach der Unabhängigkeit Marokkos und auf internationalen Druck hin 1969 den letzten spanischen Militärstützpunkt Marokkos verließen. Heute leben hier 20.051 Einwohner (Stand 2010). Der größte Wirtschaftszweig ist die Fischindustrie.

sidi ifni(Foto: Trekking in Marokko)

Der Artikel gibt einen schönen Einblick in die geruhsame Stadt, hier geht es zur Online-Version!

Marokko und das UNESCO-Welterbe

In Marokko gibt es inzwischen acht Orte, die von der UESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurden. Mit diesem Titel würdigt die Organisation Stätten, “die sich aufgrund ihrer Einzigartigkeit und ihrer Authentizität dafür qualifizieren und die von den Staaten für diesen Titel vorgeschlagen werden”. Die Verleihung des Titels ist an einen Schutz- und Erhaltungsplan geknüpft, um auch zukünftig die Erhaltung der Denkmäler sicherzustellen.

fez panorama

 (Foto: Christian Rosenbaum, CC 3.0)

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