Großdemonstration in Rabat

Am Ostersonntag folgten mehr als 5000 Marokkaner einem Aufruf zweier Gewerkschaften und gingen bei der größten Demonstration seit langem gemeinsam auf die Straße, um gegen die sozioökonomischen Zustände im Königreich zu protestieren.

Dem Aufruf schlossen sich mehrere Oppositionsparteien und die soziale Bewegung 20. Februar an. Auf Plakaten wurde Premierminister Abdelilah Benkirane (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung) zum Rücktritt aufgefordert, weil er das Land in den Abgrund führe. Die Veranstalter wollen die Demonstration als Warnung an die gemäßigt-islamistische Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung — vormals die größte Oppositionspartei und seit 2011 in der Regierungsverantwortung — verstanden wissen.

An den Themen, die die Leute auf die Straße treiben, hat sich in den vergangenen beiden Jahren wenig geändert: Arbeitslosigkeit, die hohen Lebenserhaltungskosten und Korruption. Wie in vielen Ländern der arabischen Welt ist die Bevölkerung Marokkos sehr jung — das Durchschnittsalter liegt bei 26,9 Jahren (zum Vergleich Deutschland: 44,9) — und die Jugendarbeitslosigkeit ist eines der dringlichsten Probleme, die es eher heute als morgen zu lösen gilt. Viele junge Menschen zwischen 16 und 30 Jahren stehen ohne Jobs da und sind faktisch überqualifiziert. Der Staatsapparat kann kaum mehr Angestellte aufnehmen. Die Strukturen sind verkrustet, Korruption und Nepotismus sind allgegenwärtige Symptome des wirtschaftlichen Lebens. Die Menschen fordern Würde und soziale Sicherheit.

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