Durchfall: Tipps für Prävention und Umgang mit der häufigsten Reisekrankheit

Durchfall Toilette

Durchfall ist eines der häufigsten gesundheitlichen Probleme, mit denen man sich auf einem Urlaub in Marokko herumschlagen muss. Wie man sich davor schützen kann und was zu tun ist, wenn man von “Montezumas Rache” heimgesucht wird, verrät dieser Artikel.

Wie kommt es zum Durchfall und was kann man tun, um der Reisekrankheit vorbeugen?

Etwa 40 Prozent aller Fernreisenden sind zwischen dem dritten und dem neunten Reisetag von den unangenehmen Störungen des Verdauungstrakts betroffen und verbringen anschließend mehr Zeit auf der Toilette als außerhalb ihrer Hotels. In der Regel werden die unangenehmen Infektionen von Magen und Darm durch unreines Wasser, ungeschältes Obst oder ungegartes Essen verursacht.

Toilette Durchfall

Nahrungsmittelhygiene: Cook it, boil it or forget it!

Die beste Vorsorge besteht also in einem besonders hygienischen Umgang mit Nahrungsmitteln, getreu dem Motto: Cook it, boil it, peel it or forget it!, der sich jedoch nicht immer konsequent durchsetzen lässt. Fleisch und Fisch sollten stets gründlich gekocht oder durchgebacken sein, deswegen ist man mit den Couscous- und Taginegerichten, die überall angeboten werden, auf der sicheren Seite.

Kefta Tagine mit Ei

Ungekochten Salaten sollte man aus dem Weg gehen und Obst nur verzehren, nachdem man es gründlich geschält hat. Die zahlreichen Garküchen sind entgegen aller Erwartungen zumeist ebenfalls relativ magensicher und man kann die Zubereitung des Essens beobachten und sich selbst ein Bild von den hygienischen Bedingungen machen. Für den Magen bedeutet das fremde Essen ohnehin eine Umstellung, die durch Alkohol sowie durch fettiges und scharfes Essen zusätzlich erschwert wird.

Auch beim Wasser ist Vorsicht geboten. Um Durchfall zu vermeiden, sollte nur ausreichend lang gekochtes oder in versiegelten Flaschen abgefülltes Wasser wie die marokkanischen Mineralwasser Oulmes, Sidi Harazem oder Sidi Ali getrunken werden. Es ist natürlich darauf zu achten, dass Obstsäfte frisch gepresst sind und ihnen kein Wasser hinzugefügt wurde. Speiseeis und Eiswürfel sollte man ebenfalls vermeiden, dafür aber viel Thé à la Menthe oder Ingwertee trinken. Wer auf Nummer sicher gehen will, benutzt auch zum Zähneputzen das Wasser aus der Flasche statt aus der Leitung, auch wenn das Leitungswasser in Städten wie Marrakesch relativ stark gechlort ist.

Allgemeine Hygiene: Eine Hand wäscht die andere

Eine konsequente Handhygiene kann ebenfalls das Risiko, sich irgendwelche Darminfektionen einzufangen, dramatisch verringern. Da die Krankheitserreger wunderbar über direkte zwischenmenschliche Kontakte verteilt werden und man relativ häufig anderen Leuten die Hand gibt, Kleingeld austauscht oder vielangefasste Dinge berührt, geht die größte Ansteckungsgefahr von den Händen aus. Mit etwas Hygienedisziplin kann man dagegen jedoch etwas tun.

Handdesinfektion

Dazu gehört zum Beispiel, sich häufig und regelmäßig gründlich die Hände zu waschen, erst recht, wenn man mit den Fingern isst und ein Fan von Streetfood ist. Da nicht an jeder Ecke ein Waschbecken mit heißem Wasser und Seife bereit steht, habe ich vor einigen Jahren das Handdesinfektionsgel von Sagrotan* für mich entdeckt. Das gibt es in kleinen praktischen Packungen, riecht ganz gut und zieht vor allem blitzschnell ein, so dass ich keine klebrigen Hände habe und es wirklich regelmäßig — bei mir bedeutet das etwa stündlich — benutzen kann. Ein paar Desinfektionstücher* habe ich ebenfalls in der Waschtasche dabei, man weiß ja nie, was einen in manchen Hotelzimmern erwartet und ich habe es nie bereut, sie dabei zu haben.

Wenn es einen doch erwischt hat: Effektive Mittel gegen Durchfall

Medizinisch betrachtet gilt als Durchfall, wenn jemand mehr als dreimal täglich ungeformten — also breiig bis wässrigen — Stuhlgang hat. Die Veränderung des Tagesrhythmus, das warme Klima und die ungewohnte Nahrung können die Verdauung irritieren, die Keime tun ihr Übriges. Der Körper reagiert umgehend, denn der Durchfall erfüllt eine wichtige Funktion: Er spült im wahrsten Sinne des Wortes Viren, Bakterien und Giftstoffe aus uns heraus. Dadurch verliert man viel Flüssigkeit; besonders Kinder, Schwangere und ältere Menschen sind anfällig für diese Dehydration.

Flüssigkeits- und Elektrolytverlust ausgleichen

Man sollte sich als Betroffener jetzt Ruhe gönnen und darauf achten, möglichst viel zu trinken — als Erwachsener mindestens 3 Liter am Tag –, um den durch den Durchfall verursachten Flüssigkeitsverlust auszugleichen und den Körper zu rehydrieren. In fast allen Kräutersuqs wird das in Marokko “Louisa” genannte Eisenkraut (Zitronenverbene) verkauft, das als aufgebrühter Tee die Verdauungsbeschwerden lindert. Kaffee und Alkohol sollte man meiden, ebenso Milchprodukte und fettiges Essen, die den Magen überfordern. Die berühmte Cola-Salzstangen-Therapie ist leider auch nicht so gut wie ihr Ruf, denn die zuckerreiche Diät kann den Elektrolytverlust sogar noch verstärken. Viel besser sind Elektrolytlösungen wie Elotrans*, die man als portioniertes Pulver in der Reisapotheke haben sollte und bei Bedarf in einer Flasche Wasser auflösen kann. In Marokko gibt es ebenfalls vergleichbares Brausepulver, dort fragt man in der Apotheke nach “Sels de rehydration”. Man kann sich schlimmstenfalls auch vor Ort selbst eine Elektrolytmischung herstellen:

DIY-Elektrolytmischung

Auf 1 Liter Trinkwasser:

  • 8 Teelöffel (Trauben-)Zucker
  • 1 Teelöffel Kochsalz
  • 3/4 Teelöffel Backpulver
  • Saft von 4 Orangen

Dazu sollte man 1-2 Bananen pro Tag essen, um den Magen dann langsam mit trockenem Brot, Zwieback, wenig Äpfeln oder gekochten Mohrrüben wieder an die Nahrungsaufnahme zu gewöhnen. Ich habe bei Durchfall sehr gute Erfahrungen mit medizinischer Aktivkohle gemacht, die ich in Form von Kohletabletten* in meiner Reiseapotheke habe, und von denen ich im Problemfall dreimal am Tag zwei Stück einnehme. Die wirken eher mittelfristig und helfen dem Körper beim Transport der Giftstoffe aus dem Körper.

Kohletabletten gegen Durchfall

Mit Medikamenten bei Durchfall reisefähig bleiben

Wer unter Magenbeschwerden und Durchfall leidet, ist gut beraten, sich an einem Ort mit gesichertem Zugang zu einer sauberen Toilette auszukurieren und etwas Ruhe zu finden. Ist man dagegen länger unterwegs, zum Beispiel auf einer Busreise, und möchte sich nicht darauf verlassen, dass die Entleerung glücklicherweise immer dann ansteht, wenn sich ein stilles Örtchen in erreichbarer Nähe befindet, kann man auch den Einsatz effektiver Durchfallstopper wie das berühmte Imodium akut* in Erwägung ziehen.

Durchfalltabletten

Diese sogenannten Mobilitätshemmer legen die Peristaltik des Darms lahm und sorgen nur 1-2 Stunden nach der Einnahme dafür, dass der drückende Durchfall aufhört und man einigermaßen reisefähig ist. Man sollte diese Tabletten nicht länger als 48 Stunden einsetzen und nur, wenn man unbedingt unterwegs sein muss, denn die darmentleerende Funktion des Durchfalls sorgt ja für die Ausscheidung der Giftstoffe, die man durch diese Blocker behindert. Trotzdem haben diese Tabletten schon manche Busfahrt und manchen Flug gerettet und haben deswegen ebenfalls einen Stammplatz in der Reiseapotheke.

Durchfallmittel und -prävention im Überblick:

(*Amazon)

Diese Tipps sind Erfahrungswerte von mir, die selbstverständlich nicht die qualifizierte Einschätzung eines Arztes ersetzen können. Grundsätzlich gilt, dass man einen Arzt konsultieren sollte, wenn die Diarrhö länger als zwei Tage anhält oder Nebenerscheinungen wie Fieber, Blut im Stuhlgang oder andere Dinge auftreten.

(Fotos: wenn nicht anders gekennzeichnet alle von Trekking in Marokko)

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